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Robinson Crusoe Style

Der 3. Tag des Dezember, Anno 2025

Von dem erwachenden Tage und dem verpassten Morgenmahle

Ich erwachte in dieser fremden Stadt Bangkok, nachdem ich die vergangene Nacht wie ein Stein geschlafen hatte, unterbrochen nur von jenem Moment, da mich die drückende Hitze dieses tropischen Landes aus meinem Schlummer riß und ich genötigt war, die Klimaanlage in Gang zu setzen, auf daß das Gemach wieder erträglich würde. Als wir endlich erwachten, war es bereits halb zehn Uhr des Morgens, und so hatten wir unser erstes Frühstück im Gasthofe versäumt, was uns zwang, ohne Speise unseren ersten Tempelbesuch anzutreten. Der erste Tempel lag ganz in der Nähe unserer Herberge, jenseits der Straße, und so machten wir uns zu Fuße auf den Weg dorthin, wobei wir, wie es die Sitte dieses Landes gebietet, unsere Schuhe vor dem Eintritte ablegen mußten und mit langen Hosen sowie bedeckten Schultern das heilige Gebäude betraten, wo wir zum ersten Male die Gesänge der Mönche vernehmen durften, ein Klang, der meine Seele auf wunderbare Weise berührte.

Von den Tempeln dieser Stadt und den Überresten des erleuchteten Buddha

Da dieser erste Tempel von bescheidener Größe war, zogen wir alsbald weiter und durchwanderten die Khaosan Street, welche am Tage, Gott sei Dank, nicht so laut und belebt ist wie des Nachts, sondern nur kleine Verkaufsstände aufweiset. Unser nächstes Ziel war ein größerer Tempel, in welchem die Überreste des Buddha ruhen sollen, ein Ort von solcher Heiligkeit, daß ich mit Ehrfurcht die Wendeltreppe hinaufstieg bis ganz nach oben, wo man barfüßig die Urne besichtigen konnte, in der angeblich diese kostbaren Reliquien verwahrt werden. Von diesem erhabenen Orte aus bot sich mir eine wunderschöne Aussicht auf die ganze Stadt Bangkok, und auf unserem Wege nach unten erkundeten wir jedes Stockwerk und genossen die verschiedenen Aussichten, bis wir schließlich durch lauter kleine Verkaufsstände kamen, wo Buddha-Statuen und allerlei Zubehör für die Gläubigen feilgeboten wurde, ein Anblick, der mich amüsierte, wiewohl wir nichts davon erwarben.

Von der Nahrungssuche und dem köstlichen Mahle in fremden Gefilden

Da wir seit dem gestrigen Abende nichts mehr zu uns genommen hatten, plagte uns der Hunger, und so zogen wir durch die Straßen dieser fremden Stadt auf der Suche nach einer Speisestätte, was sich als schwieriger erwies, als wir es uns vorgestellt hatten. Letztendlich aber fanden wir ein kleines thailändisches Restaurant, wo auch einige Einheimische speisten, was mir ein gutes Zeichen zu sein schien, und wahrlich, das Essen war von vorzüglicher Güte und man kümmerte sich freundlich um unser Wohl. Ich kostete das Pad Thai, eine Speise dieses Landes, die meinen Gaumen erfreute, und danach führte uns unser Weg durch einen anmutigen kleinen Park mit vielen Bäumen und herrlichen Vogelstimmen direkt an einem kleinen Flusse entlang, wo wir kurz verweilten, ehe wir zu unserem nächsten Tempelbesuche aufbrachen.

Von dem Golden Mount und den Glocken, die zum Himmel läuten

Der nächste Tempel, welchen wir aufsuchten, war der sogenannte Golden Mount, ein beeindruckendes Bauwerk, das auf einem größeren Hügel thront und zu welchem man über viele Treppen emporsteigen muß. Kurz vor dem Tempel entdeckten wir einen riesigen Gong, den zu bedienen uns gestattet war, sowie eine ganze Batterie an Glocken, welche wir einzeln betätigen konnten, was uns große Freude bereitete, und dann stiegen wir weiter hinauf zum Tempel, von dessen höchstem Punkte aus man abermals eine wunderbare Aussicht auf Bangkok genießen konnte. Da es mittlerweile drei Uhr nachmittags war und wir von den vielen Tempelbesichtigungen recht erschöpft waren, machten wir uns auf den Rückweg zu unserem Hotel, ein Fußmarsch von einer halben Stunde, woraufhin wir uns frisch machten, unsere Badehosen anzogen und zur Dachterrasse begaben, wo sich ein Pool befand, der zwar kleiner war als im Kataloge dargestellt, uns aber dennoch willkommen war, und nachdem wir geschwommen und uns entspannt hatten, gönnten wir uns zwei Mai Tai Cocktails und ließen es uns wohl ergehen.

Von den Schildkröten und der enttäuschenden Rooftopbar mit ihrem betrügerischen Kellner

Eine Freundin hatte uns von einem Tempel in der Stadt erzählt, wo man Schildkröten füttern könne, und so besorgten wir uns Proviant für ein Picknick und ließen uns mit einem Taxi dorthin bringen, wo wir nach einigem Suchen die Schildkröten fanden, wiewohl der Anblick nicht so spektakulär war, wie wir es erwartet hatten, doch gab es genug dieser Geschöpfe zu betrachten und zu füttern, während wir unsere Snacks verzehrten. Danach entschieden wir uns, eine Rooftopbar in der Nähe aufzusuchen, und der Weg dorthin führte uns durch verschiedene Gerüche und auch Gestank, bis wir endlich das Hotel fanden, wo sich oben besagte Bar befinden sollte, und wir waren die einzigen Gäste, als der Ober uns zwei Cocktails servierte, die weder so lecker waren wie erhofft noch so groß, und überdies nahm uns der Herr den vollen Preis ab, obwohl Diana nach der Happy Hour gefragt hatte, was zu einem kleinen Streite zwischen uns führte, da ich ihm dennoch den verlangten Betrag bezahlte. Den kompletten Weg zurück, etwa zweieinhalb Kilometer, gingen wir zu Fuße, und anstatt direkt zum Hotel zu gehen, kehrten wir in der RAM Buttri Straße in der Moonlight Bar ein, welche einem Biergarten glich und bereits ein wenig weihnachtlich geschmückt war, was uns verwunderte, und wir tranken dort ein Bier, ehe wir feststellten, daß diese Straße voller schöner Restaurants, Bars und Massagesalons ist, weshalb wir uns vornahmen, am nächsten Tage dort zu speisen und Diana sich eine Fußmassage gönnen zu lassen, auf daß wir von den Strapazen dieses ereignisreichen Tages genesen mögen.